Chronik

Die Wurzeln der HWS liegen in der für die Pforzheimer Wirtschafts- und Stadtgeschichte bedeutsamen Gewerbeschule I.
Im Schuljahr 1983/84 wurde der Neubau an der Graf-Leutrum-Straße bezogen, gleichzeitig erhielt diese gewerblich-technische Bildungsanstalt den Namen des hier geborenen Nobelpreisträgers Heinrich Wieland. Seither entwickelte sie sich in unserer Region als berufsbildendes Kompetenzzentrum für Technik, Medien und Kommunikation.

Zeittafel zur 175-jährigen Geschichte des gewerblichen Schulwesens in Pforzheim
von Hagen Franke

Mit der Sammelbezeichnung „gewerbliches Schulwesen“ sind in Pforzheim die Heinrich-Wieland-Schule (früher Gewerbeschule I), die Alfons-Kern-Schule (früher Gewerbeschule II), die Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule sowie die Kunstgewerbeschule (aufgegangen in die „Fakultät Gestaltung der Hochschule Pforzheim“) gemeint.
Im Verlauf der Wirtschafts- und Schulgeschichte der Stadt waren diese renommierten Lehranstalten auf vielfältige Weise immer wieder miteinander verflochten und tragen ein gemeinsames Erbe.
Darüber hinaus entwickelten sich einst – zumindest in berufsspezifischen Ansätzen – die kaufmännischen, hauswirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Schulen Pforzheims aus den gewerblichen heraus oder es bestehen historische Querverbindungen. Daraus folgt: Das berufliche Schulwesen der Stadt ist über weite Strecken Teil der 175-jährigen Geschichte.

1768  Erster berufsbezogener Unterrichtsnachweis an der Gründungsstätte der Pforzheimer Traditionsindustrie im Waisenhaus durch den Miniaturmaler Andreas Koessler.  Die Goldschmiedeschule sieht hier ihren Anfang. 
1771 Entstehung einer „Architektonischen Zeichenschule“, sie gilt als Vorläuferin der „Handwerker- oder Gewerbeschule“.
1833 Eröffnung einer „Gewerbe-(Sonntags-)schule“.
1834    Großherzogliche „Höchste Verordnung über die Errichtung von Gewerbeschulen“. Geburtsjahr der Pforzheimer Gewerbeschule (Erlass vom 15.5.1834).
1842 - 1846 Schrittweiser Aufbau eines geregelten Unterrichtsbetriebs mit hauptamtlichen Gewerbelehrern nach vorgegebenen Lehrplänen in mehreren Fachklassen in verschiedenen städtischen Räumlichkeiten.
Es entstehen bereits verbindliche Vereinbarungen zwischen Staats- und Gemeindebehörden in personeller und finanzieller Hinsicht.
1859  Anfänge des kaufmännischen Schulwesens in Pforzheim: Errichtung einer Abteilung für Handelslehrlinge („Handelskurs“), zunächst noch in der Gewerbeschule. Ab 1890 Trennung in eine selbstständige Anstalt, verknüpft mit der Ober-Realschule in der Zerrennerstraße, später Handelsschule / Handelslehranstalt (heute: Fritz-Erler-Schule).  
1877    Einzug in ein 1874 - 1877 neu gebautes Gewerbeschulgebäude an der Ecke Jahnstraße und Rennfeldstraße (heute Parkplatz am Reuchlinhaus) mit zunächst zwei Fachabteilungen „Kunstgewerbliche Fachschule“ und „Handwerk“.
Es erfolgte bald eine Teilung in zwei selbstständige Schulen im gleichen Gebäude: Gewerbeschule und Kunstgewerbeschule (Fachschule für die Edelmetallindustrie) 
1878 Gründung einer „Frauenarbeitsschule“, zunächst als private Gesellschaft, ab 1899 in städtischer Trägerschaft am Waisenhausplatz. 
1887   Die aus der Gewerbeschule hervorgegangene „Kunstgewerbeschule“ wird vom badischen Staat als Träger übernommen, dadurch entstehen eigenständige kunstschaffende Entwicklungslinien.
1892  Einweihung eines neuen Gewerbeschulgebäudes auf der „Insel“ am Enzufer.
Zunächst wieder mit zwei Abteilungen: Handwerkerschule und Goldschmiedeschule.
Dieser Standort bleibt bis zum Neubau der Alfons-Kern-Schule an der Deimlingstraße.
1905 Trennung der Gewerbeschule (Bau und Metall) und der Goldschmiedeschule.
Sie verbleiben jedoch im gleichen Gebäude unter jeweils eigener Leitung.
1907 Wegen der Enge zieht die Goldschmiedeschule in provisorische Räume in der Kaiser-Friedrich-Straße.
1909 In der „Gewerbeschule“ am Enzufer entsteht die „Elektroabteilung“, ab 1910 als 11. Fachabteilung.
1911 Die „Kunstgewerbeschule“ erhält ein neues Gebäude in der Holzgartenstraße (heute Hausnummer 36).
1912 Nach Umbau und Erweiterung (siehe Bild) bezieht die „Goldschmiedeschule“ das alte Gebäude der Kunstgewerbeschule Ecke Jahnstraße/Rennfeldstraße, wo sie bis zur Zerstörung der Stadt 1945 verbleibt (heute Goldschmiedeschulplatz).
1913  Die Gewerbeschule am Enzufer, inzwischen in der Nachbarschaft des 1911 erbauten Emma-Jaeger-Bades, erhält einen Ost- und Westflügel.
1914 - 1918 Während des Ersten Weltkrieges eingeschränkter Unterrichtsbetrieb, da viele Lehrkräfte zum Kriegsdienst eingezogen sind oder die Gebäude z. B. als Lazarette genutzt werden.
1926   Einrichtung einer hauswirtschaftlichen Pflichtschule im Osterfeldschulhaus (die erste in Baden).
Eine Wurzel der Johanna-Wittum-Schule.
1927  Teilung der Gewerbeschule in zwei selbstständige Schulen: „Gewerbeschule I“ (GS I) und „Gewerbeschule II“ (GS II).
Teilungen wurden damals ab einer Schülerzahl von 1500 vorgenommen. Die Bekleidungs- und „Mädchenberufe“ erhält die GS II. Sie werden aber bald der hauswirtschaftlichen Berufsschule zugeordnet.
1932   Wegen Rückgangs der Schülerzahlen aufgrund der Weltwirtschaftskrise wird die Teilung in „GS I“ und „GS II“ wieder aufgehoben.
1934 Mit der wirtschaftlichen Verbesserung erfolgt auch wieder die Teilung in „GS I“ und „GS II“.
Einrichtung einer „Kreislandwirtschaftsschule“ bis 1941 im Gebäude der Kunstgewerbeschule (Holzgartenstraße).
1937 Die Gewerbeschule II erhält aus Platzgründen in der Erbprinzenstraße 1-3 eigene Schulgebäude („Erbprinzenschule“).
Weitere Bildungsgänge kommen hinzu: Meisterschule für das deutsche Herrenschneiderhandwerk, Berufsfachschule für das Kraftfahrzeughandwerk, Berufsfachschule für Feinwerktechnik u.a., verteilt auf beide Schulen.
1939 Gründung der Meisterschule für Mechanik, Vorrichtungs- und Werkzeugbau.
Aus ihr kommen bis zum heutigen Tage (HWS) viele bekannte Unternehmensgründer unserer Region.
1939 - 1945 Wie schon im Ersten Weltkrieg, wird auch in dieser Zeit der Unterrichtsbetrieb reduziert und nach den Bombenangriffen sowie der Zerstörung aller genannten Schulen eingestellt.
1945 Bereits im November begann ein langsamer Neubeginn in provisorischen Räumen, so in der Brötzingerschule, in der Nordstadtschule, in Schulbaracken in Dillweißenstein.
Ab 1946 gehen die Aufbauarbeiten im alten Gebäude an der Emma-Jaeger-Straße voran, dessen Grundmauern erhalten geblieben sind. Die Trennung in „GS I“ und „GS II“ entfällt.
1946 In der Nieferner Volksschule können die Goldschmiedeschüler für kurze Zeit untergebracht werden.
1947  Die Goldschmiedeschule und die Kunstgewerbeschule werden vereint und beziehen später behelfsmäßig die „Trautz’sche Fabrik“ in der Hirsauer Straße von Dillweißenstein.
1949 Am 20. Mai 1949 kann das Gewerbeschulgebäude auf der „Insel“ nach schwierigem Wiederaufbau (auch unter Einsatz der Lehrer und Schüler) offiziell eingeweiht werden.
Die Fachklassen „Gartenbau“ der GS II werden später der landwirtschaftlichen Schule zugeordnet
1949 Wiedererrichtung einer „Landwirtschaftsschule“ im Gebäude der Gastwirtschaft „Zur Traube“ in Dillweißenstein.
Im Schuljahr 1957/58 Beginn des Unterrichts in der neu gebauten „Schanzschule“ (Karl-Bührer-Straße 18) als „Kreislandwirtschaftsschule Pforzheim“. 1965 wegen Schülermangels geschlossen.
1950 Die Gewerbeschule wird im November wieder in „GS I“ und „GS II“ geteilt. Die Schulen bleiben aber räumlich bis 1983 zusammen (die Schulbaracke in Dillweißenstein wird bis zum Abschluss der Bauarbeiten des Hauptgebäudes genutzt).
1957  Abschluss der Bauarbeiten am Gebäude der Gewerbeschule I und II an der Emma-Jaeger-Straße.
Einweihung nach Beendigung von drei weiteren Bauabschnitten zwischen 1952 und 1957. Parallel vollzieht sich der Wiederaufbau der Kunstgewerbeschule in der Holzgartenstraße, die auch kurzzeitig „Meisterschule für das Edelmetall- und Schmuckgewerbe“ und ab 1952 „Vereinigte Goldschmiede-, Kunst- und Werkschule“ heißt.
1960     Die Goldschmiedeschule bezieht einen eigenen Neubau in der St.-Georgen-Steige 65
1966 Wieder Trennung der Goldschmiedeschule von der Kunstgewerbeschule.
Die Kunstgewerbeschule erhält einen neuen Namen: „Staatliche Kunst- und Werkschule“ mit dem alten Rechtsstatus als Landeseinrichtung mit der früheren Rolle. Sie wird 1971 zur „Fachhochschule für Gestaltung“ erhoben und ist heute Teil der Hochschule Pforzheim (Fakultät Gestaltung), jedoch weiterhin im alten Gebäude in der Holzgartenstraße 36 untergebracht
1967    Einweihung der neuen Werkstatthallen (Shedhalle) neben dem Gewerbeschulgebäude (Eingang Altstädter Kirchenweg).
1970 - 1973 In dieser Phase werden die drei städtischen gewerblichen Schulen umorganisiert:
Die Uhrenabteilung wird aus der Gewerbeschule I in die Goldschmiedeschule integriert, die Kfz-Abteilung der GS I wird der Gewerbeschule II zugeordnet und die GS I erhält das „Technische Gymnasium“ (TG).
Seither ergibt sich folgende Aufteilung der Berufsfelder:
Gewerbeschule I: Allgemeinbildende Abteilung (TG, BK, u. a.), Maschinen-, Fertigungs- und Elektrotechnik, Vorrichtungs- und Werkzeugbau mit Techniker- und Meisterschulen sowie Berufsfachschulen.
Gewerbeschule II: Bau-, Farb-, Holz-, Metall- und Kfz-Technik, Körperpflege und Nahrung sowie Jungarbeiter/BVJ mit Meisterschulen und Berufsfachschulen.
Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule: Schmuck- und Uhrenberufe mit Berufsfachschulen, Meisterschule für Goldschmiede und Graveure, Berufskolleg und Fachschule (Design, Schmuck und Gerät).
1981  Gründung des „Berufskollegs zum Erwerb der Fachhochschulreife“ (BK I) an der GS I
1983  Umzug der Gewerbeschule I in den Neubau an der Graf-Leutrum-Straße 3 (Haidach). Die Gewerbeschule II bezieht das Schulareal Ecke Emma-Jaeger-Straße und Altstädter Kirchenweg allein.
1984  Die Gewerbeschule I erhält den Namen „Heinrich-Wieland-Schule“ und die Gewerbeschule II den Namen „Alfons-Kern-Schule“.
1998 Gründung des „Berufskollegs für Informations- und Kommunikationstechnik“ (BK II) an der Heinrich-Wieland-Schule (HWS).
Gründung des Bildungsgangs „Profil Gestaltungs- und Medientechnik“ am TG der HWS.
1999 Gründung des „Berufskollegs für Technik und Medien“ an der HWS.
2000 Gründung des „Berufskollegs für Technische Kommunikation“ und Einführung des Bildungsgangs am TG „Profil Informationstechnik“ an der HWS.
Beginn der Diskussion über Neubau oder Renovierung der Alfons-Kern-Schule.
2006 Einführung des Bildungsgangs „Profil Technik und Management“ am TG der HWS
2008 Nach dem Beschluss des Gemeinderats entsteht an der Deimlingstraße (in unmittelbarer Nachbarschaft zum jetzigen Standort) ein Neubau für die Alfons-Kern-Schule.
Als erste Stadt in Baden-Württemberg wird die Schule mit Hilfe eines privaten Investors (BAM Deutschland GmbH) gebaut. Der Spatenstich und damit der offizielle Baubeginn trägt das Datum 25. Juli 2008.