Sommerschule in Holzmengen/Rumänien

 

Seit sechs Jahren besteht zwischen der Heinrich-Wieland-Schule Pforzheim und dem Colegiul Tehnic „Henri Coanda“ in Timisoara eine Schulpartnerschaft. Beide Schulen haben die Profile Elektrotechnik, Metalltechnik, Informationstechnik und Mechatronik.

Nun wurde ein Projekt auf die Beine gestellt, in dem beide Schulen Hand in Hand zusammen arbeiten können.
„Jeder lernt von Jedem und gemeinsam bauen wir die Burg (um)“ ist der Leitspruch des Projekts. Im Kern geht es darum, die alte Kirchenburg in Holzmengen/Rumänien und die umliegenden Gebäude elektrotechnisch auf den neusten Stand zu bringen. 

 

Holzmengen
Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das kleine Dorf Holzmengen von kolonisierenden Siebenbürger Sachsen im Harbachtal gegründet. Es liegt mitten in Transsilvanien/Rumänien und ist circa 20 km von der nordöstlichen Kleinstadt Hermannstadt entfernt, idyllisch gelegen an den transsilvanischen Alpen. 

 

Das Projekt
Das Projekt wurde von der HWS-Abschlussklasse „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik“ entwickelt und geplant. Im aktuellen Projekt wird das alte Pfarrhaus auf dem Kirchenburg-Areal elektrotechnisch kernsaniert. Die Umsetzung erfolgt vor Ort in Rumänien vom 16. bis 29. Juli 2016 und wird in unseren folgenden täglichen Berichten dokumentiert.
Jeden Tag haben die Schüler/innen von 7.15 bis 8.00 Uhr einen Sprachkurs in Rumänisch, Englisch und Deutsch. Als Ergebnis erstellen die Schüler/innen mit Hilfe einer selbst entwickelten App ein multimediales dreisprachiges Wörterbuch, das hier einsehbar ist.

 

Tag 1
Am Samstagmorgen pünktlich um 7:15 Uhr bricht das Holzmengen-Team, das aus 14 Schüler/innen und vier Lehrer/innen besteht, in zwei Mikrobussen von der Heinrich-Wieland-Schule auf. Aufgrund einiger Staus und Verzögerungen, kam es zu einer Trennung der ursprünglich in Kolonne fahrenden Busse.
Unmittelbar nach der ungarischen Grenze wurde eine Essenspause in der Paprika-Csárda eingelegt.
Das ist ein ungarisches Restaurant, das viele lokale Spezialitäten anbietet.
Ein Bus hat den Stau umfahren und kam dementsprechend schon um 17:30 Uhr am Restaurant an, während der andere eine Stunde später eintraf. Die ungarische Küche ist bei allen gut angekommen – vor allem die Spezialität
„Gulasch“.
Mit vollen Bäuchen brach das Team gemeinsam um 20:00 Uhr in Richtung Tagesendziel auf. Die Partnerschule in Timisoara erreichte die Gruppe um 2 Uhr morgens Ortszeit. Übernachtet wurde im Schülerwohnheim der Partnerschule.

 

Tag 2
Der Morgen fing mit einem Weckruf um 7:30 Uhr an. Um 8 Uhr frühstückte das Team mit den rumänischen Schüler/innen und Lehrer/innen in der Mensa der Partnerschule. Anschließend wurde Timisoara besichtigt.
Daraufhin ging es Richtung Holzmengen mit Zwischenstopp in Hermannstadt. Dort gab es eine Besichtigung und Führung der Stadt von der Vorsitzenden des Vereins „Jugendburg Holzmengen“. Eine halben Stunde Fahrt von Hermannstadt entfernt liegt das Ziel der Reise: Das knapp 1000 Einwohner große Dorf Holzmengen mit seiner Kirchenburg.
Nach einer Hausbesichtigung fing das Team direkt an, die Stockbetten aus den Zimmern in die alte Schule zu transportieren. Der Abend ging gemütlich mit Abendessen und Lagerfeuer zu Ende.
 

 

Tag 3
Auch dieser Tag begann mit einem Weckruf um 7 Uhr. Um 7:15 Uhr gab es Kaffee und Tee, darauf folgte eine Dreiviertelstunde der Deutsch-Englisch-Rumänisch-Sprachkurs. Nach dem Sprachkurs fand ein gemeinsames Frühstück statt. Die verschiedenen Teams machten sich nach dem Frühstück an die Arbeit. Das PR-Team arbeitete an den Berichten und einer PowerPoint-Präsentation. Das Hochladen wurde jedoch durch die technische Infrastruktur vor Ort erschwert.
Das Team der Elektroniker machten Schlitze für die neuen Verkabelungen und prüften die Funktionstüchtigkeit und Lage der alten Kabel.  Nachdem die Handwerker ihren Bedarf ermittelt hatten, wurden die benötigten Materialien im Baumarkt von Hermannstadt eingekauft und für den kommenden Tag gerichtet.  

 

Tag 4
Nach dem allmorgendlichen Frühstück und Sprachkurs ging es gleich an die Arbeit. Die einzelnen Teams waren erneut sehr aktiv. Hauptsächlich das Team der Elektroniker, die heute die Schlitze für die Verkabelung frästen. Mitten am Tag fiel die einzige Fräse aus. Der Schock war groß: Konnte die Fräse wieder in Gang gesetzt werden? Nachdem die Experten die Fräse in ihre Einzelteile zerlegt hatten, stand fest: Durch die extreme Beanspruchung hatte sich Schmutz im Motor festgesetzt. Nach gründlicher Reinigung funktionierte sie wieder tadellos. Nachdem nun endlich die letzten Schlitze gefräst waren, konnten die Kabel verlegt werden. Danach fing das mittlerweile gut eingespielte Team an, die Schlitze zu vergipsen. Außerdem wurden Löcher für die Steckdosen gebohrt. Zufrieden mit der geleisteten Arbeit ging das Team zum Abendessen.

 

Tag 5
Heute wurde im Sprachkurs das Zählen in den verschiedenen Sprachen gelernt und geübt. Alle waren motiviert, so dass manch einer nach dem dreiviertelstündigen Kurs in der fremden Sprache bereits bis Hundert zählen konnte. Eine beachtliche Leistung. In den gemischt-sprachlichen Teams wurde während des Frühstücks weiter fleißig Zählen geübt. Danach ging es wieder an die Elektro-Arbeiten im alten Pfarrhaus.
In den gestern vorbereiteten Schlitzen wurden Kabel verlegt. Danach wurde angefangen, diese wieder zuzugipsen. Ein weiteres Team hat Schlitze in weiteren Räumen geklopft.
Nach dem Mittagessen kam es zu einem nicht geplanten Zwischenfall: Das provisorische Waschbecken am Essbereich war defekt. Die Wasserleitung hielt dem Druck nicht mehr stand. Die Elektroniker zeigten selbst dort ihr Können. Die Leitung war im Nu wieder repariert.
Ein multinationales Team aus Rumänen und Deutschen errichtete eine selbst entwickelte Außendusche, die sogleich eingeweiht wurde.
Am Ende des Tages wurde das Zählen in den verschiedenen Sprachen noch einmal verinnerlicht.

 

Tag 6
Im deutsch-rumänischen Sprachkurs haben sich die Schüler/innen der beiden Nationalitäten gegenseitig den Inhalt eines Werkzeugkoffers erklärt. Zum Beispiel heißt „Maßstab“ auf rumänisch „metru“. Nach dem Frühstück wurden die Elektro-Arbeiten im alten Pfarrhaus weitergeführt. Da die Kabel in zwei Räume schon komplett verlegt waren, wurden die Schlitze in beiden Räumen weiter zugegipst. Außerdem wurden Leitungen, die vom Erdgeschoss in den ersten Stock führten, gesucht. Geplant war ursprünglich, die Gips-Arbeiten im Erdgeschoss abzuschließen. Dies konnte jedoch nicht verwirklicht werden, da die Möglichkeit bestand, eine fachkundige Führung durch die historische Kirchenburg von Holzmengen zu erhalten. Diese Gelegenheit wurde gerne von allen genutzt. Die Teilnehmer/innen erfuhren spannende Fakten über die Historie dieser besonderen Bauwerke, was bei Vollmond am Lagerfeuer vertieft wurde.

 

Tag 7
Wie jeden Morgen stellten die Sprachlehrer den Schüler/innen neue Herausforderungen. Dieses Mal wurde von den Schüler/innen das Zählen bis 50 gefordert. Der Satzbau auf Deutsch und Rumänisch wurde ebenfalls verfestigt. Nach dem vielfältigen Frühstück ging die Arbeit an den Elektroarbeiten weiter. Dank kurzer Abstimmung mit der Vorstandsvorsitzenden des Vereins „Jugendburg Holzmengen“ konnten die Elektroniker gezielt Arbeiten durchführen. So wurde der „Raum der Freiwilligen“ im ersten Obergeschoss und der Hauswirtschaftsraum in Angriff genommen.
Durch eingeübte und gut geplante Arbeitsschritte konnten die Arbeiten im alten Pfarrhaus weit voran getrieben werden. Da die ganze Woche durchgearbeitet wurde, konnte heute bereits um zwölf Uhr durch die Capos der Feierabend eingeläutet werden.
Nach einer kurzen Mahlzeit machten sich die Freiwilligen auf den Weg in den „Aqua Club Elatis“, einem noblen Freibad in der Nähe. Der Tag wurde mit einem entspannten Badenachmittag und Abendessen beendet.
 

 

Tag 8
Nach dem Frühstück ging die Gruppe direkt los. Ziel war das beschauliche Städtchen Heltau bei Hermannstadt mit ihrer gut erhaltenen Kirchenburg. Nachdem die Gruppe die Kirche besichtigt und eine Führung gemacht hat, ging es direkt weiter nach Michelsberg, ca. 12 km südlich von Hermannstadt. In der auf einer Anhöhe gelegenen Kirchenburg standen Denkmale vom ersten Weltkrieg. Danach ging es weiter nach Hermannstadt, Dort hatten die Schüler zwei Stunden Zeit und konnten sich die Stadt anschauen und durch die Fußgängerzone schlendern. Außerdem gab es eine Stadtführung von Herrn Kerker. Zurück in Holzmengen wurde zum Abendessen gegrillt. Mit einem Openair-Film und Lagerfeuer ging der Abend zu Ende.

 

Tag 9
Schon in den frühen Morgenstunden ging es für die Gruppe los. An Tag Neun stand eine Bergtour an. Nach einer knapp zweistündigen Fahrt von Holzmengen in die Karpaten sind die Gipfelstürmer auf ca. 2000 Meter Höhe am Baleasee angekommen. Doch das war nur die Zwischenstation. Vom See aus ging es zu Fuß weiter Richtung Bergspitze. Fast eine Stunde Fußmarsch lag hinter den Wanderern als sie den Bergkamm erreichten. Doch damit nicht genug. Heute wollten alle ganz hoch hinaus. So zog es die Schüler- und Lehrergruppe weiter. Am Berggipfel angekommen wurden reichlich Bilder geschossen. Nach dem Abstieg legten alle eine Brotzeit am Baleasee ein. Danach ging es wieder zurück nach Holzmengen.

 

Tag 10
Nach dem Sprachkurs und dem Frühstück gab es eine Teambesprechung, in der es hauptsächlich um die Ziele für die kommenden Tage ging. Die Gruppe machte sich direkt nach der Besprechung mit neuem Eifer an die Arbeit. Die heutigen Tagesziele waren: Die Fertigstellung des Schlafraums, des Nassbereiches und des Speisezimmers. Nach harter Arbeit und guter Teamarbeit zwischen rumänischen und deutschen Schüler/innen konnten diese Ziele tatsächlich erreicht werden. Nach getaner Arbeit fand ein Lagerfeuerabend mit rumänischen Jugendlichen aus Holzmengen statt.

 

Tag 11
Nach dem Sprachunterricht, bei dem heute Alltagsgegestände gelernt wurden, ging es wieder an die Arbeit. Die Kabel wurden in den angefangen Räumen weiter verlegt und zugegibst. Der Besprechungsraum wie auch die beiden Flure und der Hauswirtschaftsraum wurden fertiggestellt. Obwohl so viel geschafft wurde, gab es Zwischenfälle. Kabel wie auch die Anzahl der Steckdosen machen Probleme: Können diese gelöst werden? Diese Frage kann erst am morgigen Tag beantwortet werden. Denn dann ist Endspurt: der letzte Arbeitstag vor der Heimreise. Nach dem harten Arbeitstag wurde die Gartendusche begeistert genutzt und ein Plan für den nächsten Tag erstellt

 

Tag 12
Der letzte Arbeitstag fing wieder mit dem allmorgendlichen Sprachkurs an. Anschließend ging es an die Arbeit mit dem Ziel, heute fertig zu werden. Bis zur Mittagspause wurde schon viel geschafft. Die wichtigsten Arbeiten konnten abgeschlossen werden. Es mussten nur noch Steckdosen eingesetzt und wenige Stellen fertig gegipst werden.
Die Probleme des gestrigen Tages wurden gelöst, am Ende hat doch alles geklappt. Am Ende des Tages hatte es das Team geschafft, die elektrotechnische Sanierung des Hauses fertigzustellen.
Abends gab es dann ein Abschlussfest mit Gästen, die wir in der Zeit in Holzmengen kennenlernen durften.

 

Tag 13
Nach dem Frühstück ging es gleich ans Packen, was die Nerven aller Beteiligten strapazierte. Alle waren froh, als sie drei Stunden nach dem Zeitplan endlich im Auto saßen und den Heimweg antreten konnten. So wie auf bei der Hinreise, machte das Team eine Nacht Pause in Timisoar. Dort ging es dann zu einem Restaurant am Fluss Bega, in dem sich alle für den nächsten Tag stärkten. Anschließend durften sich die Schüler/innen die Stadt ansehen, bevor sie erschöpft in die Betten fielen.

 

Tag 14
Morgens um 6:30 Uhr ging es von Timisoar aus zurück zur Heinrich-Wieland-Schule. Mit einem Zwischenstopp an der Paprika Csárda, einem Restaurant an der österreich-ungarischen Grenze, ließ sich die Fahrt aushalten. Ankunft des ersten Fahrzeuges war 20:30 Uhr, das zweite Fahrzeug erreichte aufgrund eines Staus das Ziel erst um 21:15 Uhr. Mit dem sehnlichsten Wunsch im eigenen Bett zu schlafen, wurden auch die letzten Kilometer von der Schule nach Hause bewältigt.

 

Bericht der Hermannstädter Zeitung
Die deutschsprachige Hermannstädter Zeitung berichtete über die Sommerschule in Holzmengen. Der Artikel befindet sich hier.